Wie erstellt man ein individuell zugeschnittenes Training mit modularem Schulungsmaterial?
In unserem ausführlichen Step-by-Step Guide „Wie erstellt man ein individuell zugeschnittenes Training mit modularem Schulungsmaterial?“ haben wir sieben Schritte zusammengestellt, die bei der zielgruppenspezifischen Planung und Durchführung von agrarspezifischen FDM Trainings unterstützen.
Von der Definition des Trainingsformats (Schritt 1) und der Analyse der Zielgruppe (Schritt 2) über die Definition der Inhalte (Schritt 3) und die Erstellung eines Lehrdrehbuchs (Schritt 4) bis hin zur Entwicklung (Schritt 5), Finalisierung der Materialien (Schritt 6) sowie Durchführung und Reflexion des Trainingsevents (Schritt 7) führt der Guide durch die verschiedenen Phasen der Organisation eines Trainingsevents.
Dabei wird die Nutzung der modularen Trainingsmaterialien von FAIRagro empfohlen und erläutert.
Info
Der Step-by-step Guide ist Teil der Veröffentlichung „Research Data Management for Agrosystem Sciences - Modular Training Material for Reuse (Version 1.0)“ von Boße, S., Rey-Mazón, E., Sahwan, W., Singson, L. S. & Vedder, L. (2026); DOI: 10.4126/FRL01-006527953 [Zenodo: https://zenodo.org/records/20055188].
Schritt 1: Das Schulungsformat festlegen
Beginnt damit, den strukturellen Rahmen eurer Schulung zu klären.
1.1 - Durchführungsformat festlegen
- Wird die Schulung online, in Präsenz oder als Hybridveranstaltung durchgeführt?
- Gibt es technische Anforderungen (Plattformen, Raumausstattung, Aufzeichnung)?
1.2 - Dauer und Struktur festlegen
- Wie lange wird die Schulung dauern?
- Handelt es sich um eine einzelne Veranstaltung oder ist sie auf mehrere Sitzungen verteilt?
1.3 - Grad der Interaktion festlegen
- Wie interaktiv soll die Schulung sein?
- Werden die Teilnehmenden an Diskussionen, Umfragen, Breakout-Räumen oder praktischen Übungen teilnehmen?
1.4 - Vordefinierte Anforderungen prüfen
Stellt fest, ob die Schulung
- in ein bestehendes Format eingebettet ist (z.B. Kolloquium, Summer/Winter School, Konferenz, Graduiertenprogramm);
- vordefinierten zeitlichen, strukturellen oder prüfungsbezogenen Vorgaben unterliegt;
- an institutionelle oder programmspezifische Richtlinien angepasst werden muss.
Wichtig
→ Passt das Format immer sowohl an den Kontext als auch an die Zielgruppe an!
Schritt 2: Die Zielgruppe analysieren
Das Verständnis eurer Teilnehmenden ist entscheidend für die individuelle Gestaltung der Schulung.
2.1 - Profile der Teilnehmenden identifizieren
- Handelt es sich um Datenproduzierende, Datennutzende oder beides?
- Sind sie Anfänger*innen im FDM oder bereits erfahren?
- Mit welchen Datenkategorien arbeiten sie (z.B. Felddaten, Sensordaten, sozioökonomische Daten, Modelldaten, ...)?
- Nutzen sie ähnliche institutionelle Infrastrukturen?
2.2 - Bedürfnisse identifizieren
- Mit welchen Herausforderungen im agrosystem-spezifischen FDM sind sie konfrontiert?
- Benötigen sie praktische Unterstützung bei der Nutzung von Werkzeugen oder eher konzeptionelles Verständnis?
- Gibt es regulatorische Anforderungen oder Anforderungen von Fördermittelgebern, die sie erfüllen müssen?
2.3 - Die Expertise der Trainer*innen berücksichtigen
- Wer sind die Trainer*innen?
- Welche Fachkompetenzen und Kenntnisse im FDM bringen sie mit?
- Werden bestimmte Werkzeuge oder Infrastrukturen vorgestellt?
Schritt 3: Die Inhaltsstruktur festlegen
Erstellt nun eine grobe Struktur der Inhalte, die ihr einbeziehen möchtet.
3.1 - Kernthemen und Unterthemen auswählen
Wählt Themen aus, die zu Folgendem passen:
- Bedürfnisse der Zielgruppe
- Schulungsformat
- verfügbare Zeit
- Expertise der Trainer*innen
Wählt aus den Themen und Unterthemen, die in den modularen Trainingsmaterialien von FAIRagro vorhanden sind, und ergänzt gegebenfalls zusätzliche Themen:
01_Researchdatamangement01-01_Researchdata01-02_Researchdatamanagement01-03_DataLifecycle
02_GoodResearchPractice03_ResearchPolicies04_FAIR-Principles05_DataOrganisation05-02_DataOrganisation_NamingConvention05-03_DataOrganisation_FolderStructure05-04_DataOrganisation_VersionControl
06_DataDocumentation06-01_DataDocumentation_Intro06-02_DataDocumentation_Types06-03_DataDocumentation_Metadata06-04_DataDocumentation_MetadataStandards06-05_DataDocumentation_SemanticWeb06-06_DataDocumentation_PersistentIdentifier06-07_DataDocumentation_ComputationalReproducibility
07_DataManagementPlan07-07_DataManagementPlan_Tools
08_DataCollection08-01_DataCollection_ElectronicLabNotebooks08-02_DataCollection_ElectronicFieldbooks08-03_DataCollection_DataReuse
09_DataStorage10_DataPublication10-01_DataPublication_Sharing10-02_DataPublication_Repositories10-03_DataPublication_Data-Journals
11_LegalAspects11-00_LegalAspects_CaseStudy11-01_LegalAspects_DataRights11-02_LegalAspects_DataProtection11-03_LegalAspects_BusinessSecrets11-04_LegalAspects_Nagoya
3.2 - Thematische Schwerpunkte festlegen
Nicht alle Themen können ausführlich behandelt werden. Entscheidet:
- Welche Themen sind wesentlich?
- Welche können optional oder ergänzend behandelt werden?
3.3 - Reihenfolge strukturieren
Ordnet die Themen in einer logischen Reihenfolge an. Ihr könnt dabei zum Beispiel:
- dem Forschungsdatenlebenszyklus folgen;
- eine Fallstudie als roten Faden verwenden;
- die enthaltene Research Journey (00-06) verwenden.
Wichtig
→ Platziert wesentliche oder komplexe Themen früh in der Schulung und plant hierfür nach Möglichkeit Übungen ein.
→ Vermeidet es, wichtige Inhalte ganz am Ende einzuplanen, wenn die Aufmerksamkeit möglicherweise nachlässt.
→ Plant Pufferzeit für Diskussionen und Fragen ein.
Schritt 4: Konkrete Inhalte und Übungen auswählen (Erstellen eines Teachingscripts)
Sobald die grobe Struktur festgelegt ist, wählt die relevanten Bausteine („Bricks“) aus dem modularen Material aus.
4.1 - Lernziele für jedes einzubeziehende Thema auswählen
- Wählt mit dem Teachingscript (dt.: Lehrdrehbuch) des entsprechenden Themas die Lernziele aus, die ihr einbeziehen möchtet. Zusätzlich kann die Beschreibung des Inhalts der Bricks bei der Auswahl helfen.
- Kopiert die entsprechende Zeile mit allen Metainformationen des passenden Bricks aus dem Themen-Teachingscript in das Teachingscript eurer Trainingsveranstaltung.
→ Ihr könnt dafür dasTemplate_Teachingscriptverwenden.
Tipp
Wenn ihr beim Kopieren der Metainformationen der ausgewählten Bricks in das Template_Teachingscript.ods/Template_Teachingscript.xlxs die erste Zeile frei lasst und dort unter „Timing“ (Spalte G) den Startzeitpunkt eures Trainings aktualisiert, könnt ihr in dieser Zeile die zeitliche Planung des Trainings kontrollieren. Hier wird automatisch angezeigt, zu welcher Uhrzeit der jeweilige Brick fertig sein sollte.
4.2 - Input und Interaktion ausbalancieren
Wechselt zwischen:
- Input-Phasen („Einatmen“): kurze Präsentationen oder Erklärungen
- Reflexion und Interaktion („Ausatmen“): Diskussionen, Übungen, Umfragen
Dies verbessert den Lernerfolg und die aktive Beteiligung.
4.3 - An Erfahrungsniveaus anpassen
Wenn die Teilnehmenden unterschiedliche Hintergründe haben:
→ Austauschformate einbinden (Peer-Diskussionen, Erfahrungsaustausch, ...)
Wenn die Gruppe einen ähnlichen Erfahrungshintergrund hat:
→ Übungen direkt an deren spezifische Arbeitsabläufe oder Datentypen anpassen
Wenn die Teilnehmenden aus derselben Institution bzw. Arbeitsgruppe kommen:
→ Material zu den institutionellen Infrastrukturen einbeziehen
4.4 - Rahmen für Ihre Trainingsveranstaltung erstellen
- Begrüßungsabschnitt einplanen
- Erstellt einen Titel, eine Einführung der Trainer*innen, eine Vorstellung der Institution sowie eine Agenda der Trainingsveranstaltung.
- Baut zu Beginn einen Icebreaker ein.
→ Dies ist insbesondere für interaktive Kurse wichtig.
- Fragerunden einplanen
- Pausen einplanen
- Plant ungefähr alle ½ bis 1 Stunde eine kurze Kaffeepause ein.
- Plant bei längeren Schulungsformaten größere Pausen (Mittagspausen) ein.
- Abschluss einplanen
- Plant einen abschließenden Abschnitt mit einer Zusammenfassung bzw. einer „Take-Home Message“ ein.
- Entscheidet, ob ihr einen Abschnitt zur Einholung von Feedback einbauen möchten.
- Stellt weitere Ressourcen und/oder Informationen zu weiterführenden Unterstützungsangeboten bzw. Infrastrukturen bereit.
4.5 - Für die Zielgruppe personalisieren
- Bezieht Bausteine zu institutionellen Infrastrukturen oder domänenspezifischen Werkzeugen bzw. Beispielen ein, die in dem FAIRagro Material nicht enthalten sind.
Überprüfung
Nun könnt ihr überprüfen, ob die geplante Zeitplanung (Spalte G, „Timing“ im Teachingscript) zu eurem vorgegebenen Format und Rahmen passt.
Schritt 5: Die Schulungsmaterialien entwickeln
5.1 - Präsentation zusammenstellen
- Stellt Folien aus den ausgewählten modularen „Bricks“ (dt.: Bausteine) zusammen.
5.2 - Interaktive Elemente vorbereiten
- Erstellt Umfragen (z. B. mithilfe von Online-Tools).
- Bereitet Anweisungen für Breakout-Räume vor.
- Stellt bei Bedarf Vorlagen oder Arbeitsblätter bereit.
5.3 - Begleitmaterialien vorbereiten
Dazu gehörten:
- Handouts
- Links zu Werkzeugen und Infrastrukturen
- Beschreibungen von Fallstudien
- Weiterführende Literatur und Ressourcen
Zusätzlich für Online-Schulungen:
- Es kann hilfreich sein, ein Dokument vorzubereiten, in dem alle Links gesammelt werden, die während der Schulung über den Chat geteilt werden sollen.
Zusätzlich für Präsenzschulungen:
- Entscheidet, ob die Teilnehmenden ihre Laptops mitbringen müssen.
- Stellt sicher, dass ausreichend Steckdosen vorhanden sind.
- Falls die Teilnehmenden Laptops benötigen, kann es hilfreich sein, QR-Codes und kurze URLs oder ein gemeinsames Dokument vorzubereiten, in dem alle benötigten Ressourcen und Links zu finden sind und das den Teilnehmenden im Voraus zur Verfügung gestellt werden kann.
Schritt 6: Testen und finalisieren
6.1 - Vor der Durchführung der Schulung
- Überprüft, ob die Zeitplanung realistisch ist (passt unsere Zeitvorschläge im Teachingscript an euren Bedarf an).
- Testet die technischen Werkzeuge (insbesondere bei Online-Formaten).
- Klärt die Rollen, wenn mehrere Trainer*innen beteiligt sind (tragt die Verantwortlichkeiten in Spalte L des Teachingscripts ein).
- Erstellt einen Notfall- bzw. Ausweichplan (z.B. für den Fall technischer Probleme).
Schritt 7: Durchführen und reflektieren
7.1 - Während der Schulung
- Überwacht die Zeit mithilfe des Teachingscripts.
- Seit flexibel, wenn Diskussionen mehr Raum benötigen.
- Passt die inhaltliche Tiefe entsprechend dem Feedback der Teilnehmenden an.
7.2 - Nach der Schulung
- Holt Feedback von den Teilnehmenden ein.
- Holt Feedback von allen beteiligten Trainer*innen sowie Organisator*innen ein.
- Reflektiert:
- Was hat gut funktioniert?
- Welche Module waren zu detailliert oder zu oberflächlich?
- Waren Interaktion und Input gut ausbalanciert?
Nutzt diese Reflexion, um zukünftige Schulungsveranstaltungen kontinuierlich zu verbessern.
Mitwirkende
(Letztes Update: 2026-11-02)
Wie zitiert man diese Seite?
Boße, S. (2026). Trainingshandbuch: Step-by-Step Guide. FAIRagro Knowledge Base. https://knowledgebase.fairagro.net/training_handbook/step-by-step. Unter: CC BY 4.0.
